Test: Korg phase8 – Acoustic Synthesizer

Korg phase8

Der neue phase8 von KORG ist kein gewöhnlicher Synthesizer, denn er kommt vollständig ohne klassische Oszillatoren aus. Stattdessen erzeugen elektromechanische Stahlzungen und magnetische Spulen einen physisch schwingenden Klang, der anschließend mit Synthesizer-typischen Elementen weiter geformt und bearbeitet werden kann. Damit bewegt er sich irgendwo zwischen elektronischem Musikinstrument, Klangobjekt und Synthesizer.

Entwickelt wurde der phase8 von KORG Berlin, einem zehnköpfigen Kreativ- und Entwicklungsteam unter Leitung von Synthesizer-Designer Tatsuya „Tats“ Takahashi. Die Entwickler wollten ein Instrument schaffen, bei dem Schwingung nicht nur simuliert wird, sondern tatsächlich stattfindet. Das Ergebnis ist ein Instrument, das bewusst neue Wege geht und den Spieler unmittelbar mit der Klangerzeugung interagieren lässt. Wie sich dieses ungewöhnliche Konzept in der Praxis schlägt, klärt unser Test.

Der KORG phase8 im Test bei Tastenexpress

Acoustic Synthesis im phase8

Mit dem phase8 führt KORG Berlin eine neue Form der Klangerzeugung ein, die „Acoustic Synthesis“. Der phase8 ist eine Symbiose aus akustischen Instrument und Synthesizer. Der akustische Teil beschreibt die an eine Kalimba erinnernden Metallzungen, die durch die Magnetspulen in Schwingung, also Oszillation versetzt werden – und der synthesizer-artige Teil ist die Bearbeitung mit dem integrierten Sequencer, Modulation und Hüllkurven.

Die Entwicklung des phase8 mit seinen mehreren Entwicklungsstufen konnte über Jahre hinweg öffentlich verfolgt werden. Erste Prototypen tauchten bereits auf der Superbooth 2023 auf, mit jeder neuen Version wurde das Konzept weiter verfeinert, bis schließlich die heutige finale Serienversion entstand.

Die Kupferspulen in den Pickups wandeln elektromagnetisch den Klang.

Besonders spannend wird Acoustic Synthesis durch die physische Interaktion mit dem Instrument – hierfür öffnet der AIR-Regler die Tonabnehmer für Geräusche und Berührungen von außen. Die Resonatoren lassen sich also nicht nur elektronisch steuern, sondern auch direkt berühren, abdämpfen oder mit Gegenständen bearbeiten. Dadurch entstehen nochmal mehr Klangverläufe, die sich zudem nie vollständig vorhersagen lassen.

Erster Eindruck und Äußeres

Der KORG phase8 ist also bei uns eingetroffen. Ich öffne den 1,75 kg schweren Karton, zum Vorschein kommt ein großformatiger Get Started Guide, auf dem sehr schön illustriert die einzelnen Parts beschrieben sowie die mechanische Bauweise dargestellt wird. Auch das User Manual im PDF-Format ist vollständig und grafisch anschaulich gestaltet.

Spannend ist die Auflistung der Bauteile samt Materialbezeichnung (Kupfer, Eisen, Aluminium etc.), dadurch sieht man die qualitativ hochwertige Bauweise, die sich auch im Gewicht widerspiegelt.

Sowohl das Design, die Knöpfe und Drehregler sowie die Verarbeitung bewegen sich auf hohem Niveau. Da der phase8 besonders auch ein physisches Instrument zum Anfassen ist und sein will, ist die Haptik natürlich wichtig. Die Regler haben einen angenehmen Widerstand und die Knöpfe eine schönen deutlichen Klick. Schön ist auch der Fader, der den AIR-Anteil steuert – dazu später mehr.

Die Anschlüsse des phase8

Die Anschlussausstattung ist sehr vorbildlich, der phase8 lässt sich ehr flexibel in Studio- und Live-Umgebungen einbinden. MIDI In/Out (TRS-A) sowie USB-C für MIDI und Firmware-Updates sind ebenso vorhanden wie Sync In/Out zur Synchronisation mit KORG-Geräten und anderen Clock-kompatiblen Instrumenten.

Darüber hinaus verfügt der phase8 über einen CV-Eingang (±5 V), über den sich Parameter extern modulieren lassen. Dadurch kann das Instrument auch in Modular- und Eurorack-Setups integriert werden.

Für professionelle Studioanwendungen: die Anschlüsse des Korg phase8

Die Features des KORG phase8

Der Korg phase8 verbindet seine neuartige Acoustic-Synthesis-Engine mit einer soliden Ausstattung, die ihn zum Synthesizer befähigen. Der phase8 ist chromatisch aufgebaut und enthält insgesamt 13 auswechselbare Resonatoren, für jeden Ton der Tonleiter. Ergänzt wird das Konzept durch Envelope-Shaping, analoges Wavefolding, Trigger Delays, Automation, tonhöhenabhängige Modulation und einen polymetrischen Sequencer mit Live- und Step-Recording und 8 Steps.

Der phase8 bietet eine insgesamt begrenzte Palette an Synthese-Parametern und fokussiert sich eher auf Performance, Experimentation und Klangänderung durch Interaktion – das minimalistische aufgeräumte Layout hilft dabei enorm und ist integraler Bestandteil des Instruments.

Der goldene Ring zum Fingerauflegen: Pluck Record

Der technische Aufbau ist wie folgt: die 8 Resonatoren, also die Metallzungen, sitzen direkt über den Pickups, die mit ihren gewickelten Kupferspulen ein elektromagnetisches Feld erzeugen und auf diese Weise die Metallzungen zum Schwingen bringen.

Man kann die Resonatoren auswechseln und auch stimmen. Dazu schraubt man sie einfach etwas lose mit dem beiliegenden kleinen Inbus und zieht sie ein Stück heraus. Auch die Pickups lassen sich in der Position anpassen. Man verändert also die Länge der Metallzunge, wobei längere Resonatoren tiefere Tonhöhen erzeugen, kürzere Resonatoren höhere. Auf diese Weise kann der phase8 sowohl an klassische chromatische Stimmungen angepasst als auch für alternative Skalen, Mikrotonalität oder experimentelle Klangkonzepte eingerichtet werden.

In der Praxis zeigt sich allerdings, dass der Austausch der Resonatoren etwas Zeit erfordert. Die Metallzungen müssen justiert und anschließend neu gestimmt werden. Ein schneller Wechsel während einer Performance ist also eher weniger nicht vorgesehen. Auch muss man darauf achten, die Spulen, Pickups und Klangzungen möglichst frei von Verunreinigungen und Fingerabdrücken zu halten.

Hochwertige Bedienelemente am Korg phase8

Praxiseinsatz mit dem KORG phase8

Den Korg phase8 habe ich in der Praxis als direktes und perfomatives Instrument wahrgenommen, in dessen Workflow man sich in relativ kurzer Zeit einarbeiten kann. Die Bedienoberfläche ist übersichtlich aufgebaut, es gibt kein Display und kein Menü. Stattdessen erfolgt der Großteil der Klanggestaltung direkt über die Regler, Schalter und die acht Tasten auf der Vorderseite. Schon nach kurzer Zeit hat man die grundlegende Arbeitsweise des Instruments verstanden und kann kreativ werden.

Das ganze Instrument ist super übersichtlich im Workflow und der Darstellung, wozu auch die schöne Zeile mit den gelben LEDs unter jedem Resoantor beiträgt. Diese zeigen die aktivierte Spur und auch den Rhythmus der Sequenz an.

Zum Anfassen: Live-Recording

Um mit dem Musikmachen loszulegen und Sequenz aufzunehmen, kann man entweder Live- oder Step-Recording auswählen. Im Live-Modus gibt es zwei Möglichkeiten die Resonatoren zum Klingen zu bringen, denn man kann sowohl die Step-Tasten drücken (einzeln oder mehrere gleichzeitig) oder auch die Finger benutzen. Für letzteres muss man den AIR-Slider aufdrehen, das ist der große unbeschriftete Fader auf der linken Seite (der sich übrigens echt gut anfühlt).

Ist der AIR Slider ganz unten, reagieren die Resonatoren nur auf die Tasten oder MIDI-Noten. Dreht man ihn hoch, dann lässt der AIR Slider Sound und Signal durch die Pickups durch. Das kann man sich fast so vorstellen, als dreht man den Gain von 8 offenen Kondensatormikrofonen auf: man hört plötzlich Umgebungsgeräusche, Tritt- und Berührungsschall. Somit kann man die Klangzungen nun anfassen und erzeugt so Klang. In diesem Kontext kann man auch verschiedene Materialien in Kontakt mit den Resonatoren bringen und so klangliche Variationen erzeugen.

Der Sequenzer am phase8: intuitiv und geradlinig

Der Step Sequencer

Der integrierte Sequenzer ist geradlinig, minimalistisch und effektiv, im Test gefiel er mir wirklich gut. Es gibt zwar nur eine Länge von 8 Steps, dafür aber noch einen Variation Switch, als komfortabler Metallkippschalter ausgeführt. Mit diesem kann direkt zwischen zwei Sequenz-Variationen umschalten. Mit jeweils einer einfachen Tastenkombination kann man wahlweise Sequenz A in B kopieren oder alternativ A oder B wieder löschen. Ein Pattern-Chain gibt es hingegen nicht, man muss immer den Switch manuell betätigen.

Um einzelne Step bei laufendem Play zu setzen, wählt man mit Select einen der 8 Tracks aka Resonatoren aus und setzt dann mit REC aktiviert ganz einfach die Steps. Über MUTE kann man jede der 8 Resonatoren stummschalten.

Der Sequenzer hat einige interessante Funktionen und Fähigkeiten. Neben einprogrammierten und eingespielten Triggern kann man auch noch Parameterfahrten, also Automationen aufnehmen. Auch Fingerberührungen lassen sich in den Sequenzer recorden. Das heißt Pluck Record und wird über ein Halten auf dem goldenen runden Kontaktfeld neben den Resonatoren aktiviert.

Wenn man Live-Recording oder Pluck Record benutzt, kann man hinterher über die Quantize-Funktion quantisieren. Auch dies ist denkbar einfach gehalten und lässt sich für jede der 8 Spuren mit einem Klick anwenden.

Polymetrik ist cool gelöst und auf zwei Wegen möglich: man kann einfach den Endpunkt der Sequenz kürzen, und so verschiedene Längen einstellen. Das kennt man auch schon von den meisten anderen Sequenzern. Aber man kann beim phase8 auch jeden beliebigen der Schritte skippen, also auslassen. Das gibt dann nochmal andere Ergebnisse, als nur den Endpunkt zu ändern.

Der AIR-Regler öffnet die Pickups nach außen

Klangforschung mit dem Korg phase8

Wie schon erwähnt, besitzt der phase8 keine übermäßig große Palette an Parametern, mit denen man sonst an einem Synthesizer den Klang verändert. Die fünf Hauptwerkzeuge auf Parameterseite sind: Envelope, AIR, Modulation, Shift Delay und Velocity, welche höher aufgedreht nahtlos in das Wavefolding geht. Die Klangforschung geschieht beim phase8 also über die Kombination aus den Werkzeugen, einfacher repetitiver Rhythmussequenz und physischer Interaktion, welche den Klang – oder vielmehr das Schwingungsverhalten – der Resonatoren verändert.

Zwar ist der Grundklang des phase8 insgesamt eher überschaubar, aber es findet sich dennoch viel performatives Potential der Klangvariation – eben durch die Interaktion der Elemente. In der Tat empfindet man schnell, dass sich der KORG phase8 in einem schönen Sweet Spot aus Limitierheit und Direktheit befindet, so dass er sich wie ein Instrument spielen lässt.

Das Spannende am phase8 ist, dass die Aufforderung zum Experimentieren mit verschiedenen Materialien und Gegenständern auf die Resonatoren gelegt nicht nur eine Spielerei ist (die bei anderen Experimentier-Instrumenten allzu schnell langweilig werden kann), sondern wirklich entscheidend zum Soundumfang beiträgt. Schnell kann man etwa mit einem aufgelegten Kopfhöreradapter das Timbre und Hüllkurve eines Resonators ändern, zudem machen kleine Positionsänderungen des Gegenstands z.T. drastische Klangänderungen. Mit der Materialexperimentation ändert sich dann auch wiederum das Verhalten der Envelope- und Velocity-Regler.

Ergänzt wird die Klangerzeugung durch drei Modulationsmodi, nämlich klassisches Tremolo sowie zwei tonhöhenabhängige Audio-Rate-Modulationen. Letztere können optional harmonisch quantisiert werden, sodass sie sich besser in tonale Kontexte einfügen. In Verbindung mit den Resonatoren entstehen dabei lebendige, obertonreiche Klangfarben, die sich deutlich von klassischen FM- oder AM-Synthesen unterscheiden.

Und dann ist da natürlich noch der AIR-Regler, welcher immer global ist und mit seinem perfekt erreichbaren, haptisch angenehmen Fader stets spontan und genau dosiert und performt werden kann. AIR erhöht natürlich den Rausch- und Brummteppich, aber auch der kann musikalisch-atmosphärisch – je nach Genre – genutzt werden.

Der Klang des KORG phase8

Auf der Konzept- und Performance-Seite kann der phase8 schonmal voll überzeugen. Die Spielbarkeit ist großartig. Wie sieht es mit dem Klang aus? Nun, im ersten Eindruck haut er nicht übertrieben vom Hocker, aber: er wächst mit der Zeit. Langsam lernt man seinen obertonreichen, organisch-lebendigen Charakter schätzen, bis sich sein ganz eigenständiger Klang schließlich ins Herz schließt. Mit Kopfhörern gehört ist es schließlich auch nur ein Mono-Klang. Mehr klangliches Potential kann man freilegen, wenn man den phase8 mit hochwertigen Effekten, etwa in einer DAW versieht. Ganz trocken und ohne Effekte stößt man wahrscheinlich schnell an seine Grenzen.

Ein „richtiger“ Synthesizer klingt schon für sich alleine meist gut. Das trifft auf den phase8 nur bedingt und eingeschränkt zu. Seine Stärke liegt eher in andere Arrangements einbettet, als Ergänzung innerhalb eines Tracks. Denn dort kann er mit seinem organischen, obertonreichen Klang ein Frequenzspektrum auffüllen, das kein Plugin oder digitaler Synth so recht hinbekommt.

Die Resonatoren sind verhältnismäßig klein, wodurch naturgemäß wenig bis kein Bass erzeugt werden kann. Die hochwertige Verarbeitung und Konstruktion im Signalfluss aber hört man in Summe. Klangerzeugung und 8-Schritt-Sequenz bilden zudem eine schöne Einheit – im Kopf kommt mir beim Hören immer der Gedanke: „Steve Reich würde dieses Instrument lieben“. Repetitiv, metallisch, filigran und doch nicht zurückhaltend, wenn man will. Der KORG phase8 ist ein wirklich ernsthafter, universeller Klanggenerator mit Langzeitpotential. Er funktioniert nicht nur über Anfangsfaszination, sondern hat echte klangliche Substanz – die aber wie gesagt mit Effekten belebt werden will.

Die Kombination aus Resonatoren, Wavefolding und Audio-Rate-Modulation erzeugt viel obertonreiche Texturen, die zwar entfernt an FM-Synthese erinnern, durch ihren physikalischen Ursprung jedoch deutlich organischer wirken.

Der KORG phase8 in unserem Showroom

Fazit

Mich konnte der KORG phase8 definitv überzeugen. Es ist ein interessantes Instrument, das aufgrund seiner Andersartigkeit nicht wirklich greifbar ist, bevor man es ausprobiert hat. Es sich nur wie eine elektrische Kalimba vorzustellen, würde dem Gerät sicher nicht gerecht werden. Denn auch Drones kann man mit dem phase8 erzeugen.

Natürlich sitzt der phase8 im Vergleich zu klassischen Synthesizern in einer etwas spezielleren Nische und ist sicher nicht für jeden geeigent. Er lässt sich klanglich in viele Genres einbinden – hierfür ist es aber notwendig, den phase8 mit Effekten zu kombinieren, um die richtige Klangtiefe zu erhalten. Trocken und nackt klingt es sonst schnell zu unspektakulär. Ich denke, für Techno eignet er sich mit seinem metallischen, rauen Charakter sehr gut, ebenso für Filmmusik oder ruhigere Ambient-artige Stile – je nach eingestelltem Tempo und Timbre.

Es ist eben ein akustisches Intrument und hat einen kleineren Klangumfang als ein vollwertiger Synthesizer, aber besonders im Frequenzbereich der oberen Mitten und Höhen kann er das Spektrum sehr dicht und organisch füllen.

Die hochwertige Verarbeitung, das aufgeräumte Layout mit intuitiv-direktem Workflow sowie die umfangreiche professionelle Konnektivität machen den KORG phase8 auch hardware-seitig zu einer Empfehlung. Das Team von Korg Berlin hat lange geforscht und final ein wirklich rundes, einzigartiges Produkt veröffentlicht. Ausprobieren ausdrücklich empfohlen!

Tastenexpress-Wertung: 👍 8/10 Punkte

Innovative Klangerzeugung
Hochwertige Verarbeitung
Geradlinige Bedienung
Interaktive Klanggestaltung
Umfangreiche Anschlüsse







Autor: Timm Brockmann (Sales & Marketing)

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